Eine metallfreie Gesamtlösung: Hybridkeramik und Zirkondioxidimplantat

Vollkeramische Versorgungskonzepte haben sich in der Praxis etabliert. Bei implantatprothetischen Rekonstruktionen werden zwar häufig Titanimplantate eingesetzt, gleichzeitig erfreuen sich jedoch Keramikimplantate steigender Beliebtheit. Seit 2014 bietet die VITA Zahnfabrik (Bad Säckingen, Deutschland) mit ceramic.implant ein Zirkondioxidimplantat an. Dr. Sigmar Schnutenhaus (Hilzingen, Deutschland) beschreibt anhand eines Fallberichts, wie sich mittels einer Suprakonstruktion aus VITA ENAMIC und dem ceramic.implant eine komplett metallfreie implantatprothetische Versorgung realisieren lässt.

Die Nachfrage nach vollkeramischen Therapiemitteln bringt auch in der Implantatprothetik ein Umdenken mit sich. Seit einiger Zeit werden Implantate aus Zirkondioxid angeboten, die unter anderem ein hervorragendes Weichgewebsmanagement gewähren. „Wir arbeiten seit einigen Monaten mit ceramic.implant und haben zudem die Hybridkeramik VITA ENAMIC als ideales Material für die Suprakonstruktion für uns entdeckt“, berichtet Dr. Sigmar Schnutenhaus. Durch die Kombination des Keramikimplantats mit einer Hybridkeramikkrone kann dem häufigen Patientenwunsch nach einer metallfreien Gesamtlösung Rechnung getragen werden.

Das Implantat ceramic.implant ist ein einteiliges, zylindrokonisches Implantat mit modifizierter Zirkondioxidoberfläche (cer.face®14). Die Hybridkeramik VITA ENAMIC, als Material zur Herstellung der Suprakonstruktion, vereint die Vorzüge einer konventionellen Keramik mit den positiven Eigenschaften eines Komposits. Dank der vergleichsweise elastischen Eigenschaften können Kaubelastungen bis zu einem gewissen Maße absorbiert werden. Bei der Versorgung von Einzelzahnlücken im Seitenzahngebiet erachten wir die hier vorgestellte Therapieoption als ideal.

1. Behandlungsplanung

Da es sich bei ceramic.implant um ein einteiliges Implantat handelt, kommt der Planung eine hohe Bedeutung zu. Wir favorisieren die virtuelle Implantatplanung. Anhand eines DVT wird die anatomische Situation beurteilt (Abb. 2). Ein auf dem Situationsmodell modelliertes Wax-up dient als Vorlage für die Suprakonstruktion. Die DICOM-Daten des DVT- und die STL-Daten des Wax-up werden in der Planungssoftware zusammengeführt und die Implantatposition evaluiert.

2. Insertion des Implantats

Bei der Implantatinsertion kann zwischen dem schablonengeführten oder dem konventionellen Vorgehen gewählt werden. Nach der Aufbereitung des Implantatbetts wird das Implantat in den Knochen eingebracht (Abb. 3 und 4), das Operationsgebiet mit zwei Nähten verschlossen und der Patient mit einer provisorischen Versorgung aus der Praxis entlassen.

3. Herstellung der Suprakonstruktion

In der Regel präsentiert sich nach der notwendigen Einheilzeit eine ideale Weichgewebssituation. Die Anlagerung der periimplantären Gingiva am Zirkondioxidimplantat ist in der Regel nahezu perfekt. Für die Überabformung stehen spezielle Kappen zur Verfügung, die eine exakte Übertragung der Situation vom Mund auf das Modell gewähren (Abb. 5). Nach der Digitalisierung des Implantatmodells wird die Krone mittels CAD-Software konstruiert (Abb. 6). Die CAM-Herstellung der Suprakonstruktion erfolgte dann aus einem VITA ENAMIC-Rohling. Hybridkeramik-Rekonstruktionen können nach dem Schleifprozess entweder poliert oder mit lichthärtenden Malfarben charakterisiert werden. Laut Herstellerangaben sollen die Kronen auf dem einteiligen Zirkondioxidimplantat mittels Befestigungskomposit befestigt werden. Der Kronenrand liegt idealerweise im sichtbaren Bereich, sodass die Gefahr von potenziellen Zementresten im periimplantären Bereich eliminiert ist.

4. Ergebnis und Fazit

Die Abbildungen 7 bis 9 zeigen die Situation vor und nach der prothetischen Versorgung mit VITA ENAMIC. Die Implantatkrone fügt sich in Form, Farbe und Funktion ideal ein. Ist eine metallfreie implantatprothetische Versorgung gewünscht, kann der Behandler mit dargestellter Materialkombination ein funktionierendes Gesamtkonzept umsetzen. Hervorzuheben sind das einfache chirurgische Protokoll bei der Implantation und die effiziente Umsetzung der Suprakonstruktion. Das ceramic.implant ist eine keramische Werkstoffalternative zu Titanimplantaten. Zu betonen ist die ausgezeichnete Weichgewebeadaption. Ergänzend dazu ist die Hybridkeramik VITA ENAMIC aufgrund ihrer Materialeigenschaften für die Suprakonstruktion sehr gut geeignet.

Bericht 03/16

ZA Dr. Sigmar Schnutenhaus (Hilzingen, Deutschland)
"Das ceramic.implant ist eine keramische Werkstoffalternative zu Titanimplantaten. Zu betonen ist die ausgezeichnete Weichgewebeadaption."
ZA Dr. Sigmar Schnutenhaus (Hilzingen, Deutschland)
ZA Dr. Sigmar Schnutenhaus (Hilzingen, Deutschland)
Abb. 1 Ausgangssituation, Patientin, 53 Jahre: Schaltlücke in Regio 45 soll implantatprothetisch geschlossen werden.
Abb. 1 Ausgangssituation, Patientin, 53 Jahre: Schaltlücke in Regio 45 soll implantatprothetisch geschlossen werden.
Abb. 2 Virtuelle Planung der Implantatposition.
Abb. 2 Virtuelle Planung der Implantatposition.
Abb. 3 Aufbereitung des Implantatbetts.
Abb. 4 Das inserierte Keramikimplantat vor dem Nahtverschluss.
Abb. 3 Aufbereitung des Implantatbetts.
Abb. 4 Das inserierte Keramikimplantat vor dem Nahtverschluss.
Abb. 5 Optimale Weichgewebsverhältnisse nach der Einheilzeit. Es folgt die Abformung des Implantats mit der Übertragungskappe.
Abb. 6 Scan und CAD-Konstruktion der Krone für die definitive Versorgung.
Abb. 5 Optimale Weichgewebsverhältnisse nach der Einheilzeit. Es folgt die Abformung des Implantats mit der Übertragungskappe.
Abb. 6 Scan und CAD-Konstruktion der Krone für die definitive Versorgung.
Abb. 7 Situation vor Befestigung der prothetischen Versorgung.
Abb. 8 Finales Kontrollröntgenbild.
Abb. 7 Situation vor Befestigung der prothetischen Versorgung.
Abb. 8 Finales Kontrollröntgenbild.
Abb. 9 Ergebnis nach Eingliederung der Implantatkrone Regio 45.
Abb. 9 Ergebnis nach Eingliederung der Implantatkrone Regio 45.